resilienzSicher kennen Sie in Ihrem Umfeld auch Menschen, auf die der Begriff „Stehaufmännchen“ passt. Scheinbar unbeeindruckt meistern sie alle beruflichen und privaten Krisen. Egal, was Berufs- oder Privatleben auch für sie bereithält: Sie scheinen allen Herausforderungen gewachsen zu sein. Der Fachbegriff für dieses Verhalten lautet: Resilienz.

Inhalt

 

  1. Resilienz – Was ist das?
  2. Weshalb ist Resilienz heute so wichtig?
  3. Resilienzfaktoren – was ein „Stehaufmännchen“ ausmacht
  4. Beispiel für einen resilienten Menschen: Soichiro Honda
  5. Resilienzförderung: Widerstandskraft von Kindesbeinen an stärken
  6. Resilienz bei Erwachsenen
  7. Resilienz am Arbeitsplatz
  8. Resilienz im Privatleben
  9. Resilienztraining und Resilienzcoaching

Resilienz – Was ist das?

Das Wort Resilienz selbst stammt vom lateinischen „resilire“ = „zurückspringen“, „abprallen“ und wurde ursprünglich in der Technik als Fachbegriff für die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen verwendet. In der Materialkunde steht Resilienz für die Fähigkeit eines Werkstoffes, nach einer Verformung wieder in den Ausgangszustand zurückzukehren. Mittlerweile wird der Begriff aber auch in der Psychologie verwendet und steht dort analog für die Fähigkeit eines Menschen, sich von Alltagseinflüssen wir Stress, Krisen oder Schicksalsschlägen zwar „verformen“ zu lassen, sich dann aber damit auseinanderzusetzen und letztendlich daraus gestärkt hervorzugehen. Aus diesem Grund wird Resilienz auch häufig mit den Begriffen „Widerstandsfähigkeit“ oder „innere Stärke“ gleichgesetzt.

Als „resilient“ werden zum Beispiel bezeichnet:

  • Kinder, die in einem sozial schwachen Umfeld aufwachsen und es als Erwachsener dennoch zu einer erfolgreichen Lebensführung schaffen (z.B. Emmy Werner, amerikanische Entwicklungspsychologin),
  • Menschen, die Lebenskrisen wie schwere Krankheiten, lange Arbeitslosigkeit, Verlust von nahestehenden Menschen oder Ähnliches ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen,
  • Menschen die davon überzeugt sind, dass sie es selbst sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen,
  • Menschen, die nicht an Glück oder Zufall glauben, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Weshalb ist Resilienz heute so wichtig?

Mittlerweile vergeht kein Tag, an dem nicht von Krisenherden in der ganzen Welt berichtet wird. Hungerkatastrophen, Bürgerkriege, Flüchtlingswellen und internationaler Terror haben dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen mit Krisen und Schicksalsschlägen auseinandersetzen müssen. „Nie zuvor im Laufe unserer Umfragen sind die Ängste innerhalb eines Jahres so drastisch in die Höhe geschnellt wie 2016“, erklärte Brigitte Römstedt, Leiterin des Infocenters der R+V Versicherung, bei der Veröffentlichung der mittlerweile 25. R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen“


Ängste der Deutschen 2016

Doch auch außerhalb der „großen Politik“ gibt es zahlreiche Bedrohungen und Gefahren, mit denen sich viele von uns heute auseinandersetzen müssen: Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheit, Scheidung, Stress und Überforderung in Beruf und Privatleben, u.v.m.

Resilienzfaktoren – was ein „Stehaufmännchen“ ausmacht

Wie also gelingt es unter dem Eindruck von jederzeit und überall lauernden Krisen, Bedrohungen und Gefahren, resilient zu werden?
Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von den „Sieben Säulen der Resilienz“


sieben säulen der resilienz

Die Säule „Selbstbewusstsein“ kann auch mit dem Begriff „Selbstverstrauen“ gleichgestellt werden. Resiliente Menschen vertrauen auch in Krisenzeiten auf ihre Stärken: Tun statt jammern lautet dabei die Devise. „Kontaktfreude“ bedeutet, dass sich resiliente Menschen selten im „stillen Kämmerchen“ verkriechen, sondern sehr kommunikativ sind. Dabei suchen sie sich Partner und Freunde, die ihnen auch in Krisenzeiten beistehen. Dank ihrer „Gefühlsstabilität“ sind resiliente Menschen in der Lage, sich nicht nur von ihren Emotionen leiten zu lassen, sondern diese in positive Energie zu verwandeln. „Optimismus“ darf nicht als missverstanden werden als „alles suppi!!“, sondern besteht bei resilienten Menschen eher in der Überzeugung: „Alles wird gut – selbst wenn derzeit nicht alles rund läuft.“ „Handlungskontrolle“ steht für die bereits eingangs beschriebene Fähigkeit resilienter Menschen, ihr eigenes Schicksal selbst zu steuern und sich nicht von externen Faktoren leiten zu lassen. In eine ähnliche Richtung tendiert auch die sechste Säule, der „Realismus“. Resiliente Menschen sind in der Regel sehr gut in der Lage, sich realistische Ziele zu setzen, die sie dann auch erreichen. Dieser Erfolg stärkt dann wiederum ihre Resilienz. Dank ihrer „Analysestärke“ sind resiliente Menschen letztendlich in der Lage, sehr gut einzuschätzen, was in ihrem Leben funktioniert und was nicht. Geschieht ihnen etwas Negatives, analysieren sie dessen Ursache und orientieren sich zukünftig um, damit ihnen das Erlebte nicht nochmals passiert.

Beispiel für einen resilienten Menschen: Soichiro Honda

Beispiele für resiliente Menschen, die in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind, gibt es sicher sehr viele. Der Gründer der Honda Motor Company Soichiro Honda ist dabei allerdings sicher ein besonders gutes Beispiel. Es gelang ihm nämlich in seinem Leben gleich mehrfach, seine Resilienz unter Beweis zu stellen. Nachfolgend nur einige Eckdaten seines Lebenslaufs:

  • Als Student vor dem zweiten Weltkrieg entwickelte er einen Kolbenring, den er an Toyota verkaufen wollte. Zur Finanzierung versetzte er sogar den Schmuck seiner Frau. Als der Kolbenring fertig war, lehnte Toyota ab.
  • Er setzte sein Studium fort und wurde von Lehrern und Mitschülern für seine „Dummheit“ gehänselt, zu glauben, dass ein Unternehmen wie Toyota an seiner Erfindung interessiert sein würde.
  • Er entwickelte seinen Kolbenring weiter, den er zwei Jahre später dann an Toyota verkaufte.
  • Allerdings musste er zur Produktion der Kolbenringe eine Fabrik bauen. Beton war in den Vorkriegswirren in Japan allerdings Mangelware und so entwickelte Honda ein eigenes Verfahren zur Herstellung von Beton.
  • Im zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik durch Bombenangriffe zerstört. Als Honda die Fabrik nach dem Krieg fast wieder aufgebaut hatte, zerstörte sie ein Erdbeben erneut. Er war gezwungen, die komplette Fertigung an Toyota zu verkaufen.
  • Nach dem Krieg litt Japan unter anderem unter einem großen Mangel an Benzin. Die Mobilität der Japaner war drastisch eingeschränkt. Honda kam auf die Idee, aus einem Fahrrad und einem Rasenmähermotor das erste Fahrrad mit Hilfsmotor (Mofa) zu bauen. Viele seiner Freunde wollten auch so ein Mofa kaufen, doch für die Serienfertigung hatte Honda kein Geld. Also schrieb er 18.000 Fahrradhändler in Japan an, von denen 3.000 bereit waren, seine Produktion zu finanzieren.
  • Das erste Honda-Mofa „floppte“, da es zu schwer war und niemand es kaufen wollte. Soichiro Honda baute es um und nannte es „The Cub“. Es wurde ein riesiger Erfolg und Grundlage für die weltweite Erfolgsgeschichte der Firma Honda.

Resilienzförderung: Widerstandskraft von Kindesbeinen an stärken

Dass es resilienten Menschen gelingt, ein erfolgreiches und erfülltes Leben zu führen, selbst wenn sie als Kind nicht „auf der Sonnenseite des Lebens“ geboren und aufgewachsen sind, ist unter anderem durch die Forschungen von Emmy Werner wissenschaftlich erwiesen. Darüber hinaus weisen Experten aber auch auf die Bedeutung hin, die kindliche Resilienz möglichst früh zu fördern. Prof Jürg Frick von der Pädagogischen Hochschule Zürich misst dabei insbesondere einer „Erziehung mit Feingefühl“ eine große Bedeutung bei. Er erklärt in einem Interview mit kizz, einem Elternmagazin für die Kitazeit: „Günstig ist ein verlässlicher und feinfühliger Erziehungsstil, der das Kind unterstützt, es bejaht, ihm Freiräume gewährt, aber auch freundlich, berechenbar und altersgemäß Grenzen setzt. Stabilität ist ohne Struktur nicht möglich.“

Diese Resilienzförderung sollte sich dann in Kindergarten und Schule fortsetzen. Denn gerade im Umgang mit Erziehern und Lehrern, allerdings auch mit Mitschülern ist heute ein entsprechendes Maß an Widerstandsfähigkeit und innerer Stärke gefragt. Denn wie beispielsweise die Pisa-Studie 2017 herausfand, ist in Deutschland mittlerweile jedes sechste Schulkind Mobbing-Opfer.

Resilienz bei Erwachsenen

Und die Herausforderungen und Krisen werden im Erwachsenendasein nicht geringer. Die durchgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt der letzten Jahre haben dazu geführt, dass immer mehr Menschen voller Sorge auf ihre berufliche Zukunft blicken. Und ein Ende der Veränderungen im Berufsleben ist noch lange nicht in Sicht.

Resilienz am Arbeitsplatz

Auch wenn die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren gesunken ist, ist die Angst vor Arbeitslosigkeit bei vielen Menschen auch heute noch präsent. Neue Entwicklungen im Zuge einer immer rascher fortschreitenden Digitalisierung vieler Lebens- und Arbeitsbereiche liefern dafür auch eine handfeste Begründung. Je mehr Menschen online bestellen und buchen, desto weniger Läden, Reisebüros oder Verkaufsstellen wird es zukünftig geben. Laut eines Berichts der Welt droht fast jedem zweiten Job in Deutschland durch die Digitalisierung das „Aus“. Es würden zwar auch neue Jobs geschaffen, diese seien aber in der Regel schlechter bezahlt.

Doch auch wenn man derzeit noch einen – -mehr oder weniger – sicheren Arbeitsplatz hat, steht man vor zahlreichen Herausforderungen. Diese reichen von einer hohen Arbeitsbelastung, z.B. im Pflegedienst über Mobbing durch Mitarbeiter oder Vorgesetzte bis hin zur Bedrohung, dass die Bezahlung für eine gesicherte Existenz nicht ausreicht.
Und selbst Führungskräfte stehen heute vor Herausforderungen, die es notwendig machen, die eigene Resilienz zu steigern. Im weltweiten Wettbewerb mit Konkurrenten, die schneller und billiger liefern können, zahlreichen Veränderungen in Unternehmensstrategie und -organisation und dem Eintritt einer „Generation Y“ in das Berufsleben, die sich nicht in klassische Unternehmen- und Hierarchiestrukturen eingliedern lässt, sollten auch Führungskräfte dringend an ihrer Resilienz arbeiten.

Gelingt dies nicht, droht der Burnout, ein Phänomen, dass in den letzten Jahren drastisch an Bedeutung gewonnen hat. So wurden bereits 2011 bundesweit 59,2 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren.

Resilienz im Privatleben

Neben den Herausforderungen im Berufsfeld stellt auch das persönliche und private Umfeld immer mehr Menschen vor eine Reihe von Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.
Die Angst vor Krankheit ist für viele Menschen ein großes Problem, insbesondere in Verbindung mit dem Älterwerden. So schaffte es die Angst vor Pflegefall im Alter auf die Liste der sieben größten Ängste der Deutschen in der eingangs zitierten R+V-Studie. Frauen betrifft diese Angst dabei stärker als Männer (vgl. nachfolgende Grafik)


Die größten Ängste bei Männern und Frauen

Ein weiterer Bereich, in dem Resilienz heute mehr gefragt ist denn je, sind Partnerschaft und Familie. Pro Jahr lassen sich in Deutschland mehr als 160.000 Paare scheiden, davon waren 2015 132.000 minderjährige Kinder betroffen. Jedes dritte Kind kommt derzeit unehelich zur Welt. Der alleinerziehende Elternteil – in der Regel die Mutter – steht damit vor der Herausforderung, einen Alltag zu bewältigen, in dem der Tag manches Mal 25 Stunden haben sollte. Mit den entsprechenden Resilienz-Techniken kann es gelingen, diese Belastung und den damit verbundenen Stress abzubauen.

Resilienztraining und Resilienzcoaching

Mittlerweile gibt es in Deutschland zahlreiche Möglichkeiten, seine eigene Resilienz zu trainieren. Die Angebote decken dabei sowohl den beruflichen wie den privaten Alltag ab. Die dabei geschulten Techniken reichen vom Stressabbau über das Change und Zeitmanagement bis hin zum Transformationscoaching und zur ganzheitlichen Lebensberatung.

Die nachfolgenden Coaches, die für ein Interview auf COACH REPORTER zur Verfügung standen, decken mit ihrem Coaching-Angebot u.a. auch das Thema Resilienz ab:

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