coach als BerufWarum eigentlich nicht? Sie verfügen über eine langjährige Berufs- und/oder Lebenserfahrung? Sie wurden schon in der Schule immer von allen nach einem Rat gefragt? Sie verfügen über ein besonderes Talent, eine Qualifikation, o.ä.? Was liegt da näher, als daraus nicht ein eigenes Coaching-Business aufzubauen. Allerdings müssen Sie davon ausgehen, dass auch schon andere diese Idee hatten. Immerhin liegt Deutschland laut der 2013 erschienenen 3. Marburger Coaching Studie in Bezug auf die Anzahl der hierzulande tätigen Coaches weltweit auf Platz 3 der Länder mit den meisten Coaches. Nur in den USA und in Großbritannien gibt es noch mehr Coaches. Die Studienautoren gehen davon aus, dass es in Deutschland ungefähr 8.000 Coaches gibt. Das Coach-Verzeichnis XING Coaches enthält nach eigenen Angaben sogar die Profile von 30.000 Coaches.

Inhalt

  1. Ein Coach – Was ist das?
  2. Coachingverbände in Deutschland
  3. Coaching als Business: eine Standortbestimmung
  4. Beruf(ung) Coach – einige Beispiele

Definition: Ein Coach – Was ist das?

Die Diskrepanz der eingangs genannten Zahlen in Bezug auf die Anzahl der in Deutschland tätigen Coaches verdeutlicht ein generelles Problem: Der Begriff „Coach“ ist in Deutschland nicht geschützt. Deshalb darf sich auch jeder Coach nennen und als solcher tätig werden. Nicht einmal auf Wikipedia – wo man doch Informationen zu allem und jedem findet – gibt es einen Eintrag zum Begriff Coach. Lediglich der Begriff Coaching wird als „Sammelbegriff für unterschiedliche Beratungsmethoden (Einzelcoaching, Teamcoaching, Projektcoaching)“ erklärt. Wikipedia erklärt weiter: „Im Unterschied zur klassischen Beratung werden keine direkten Lösungsvorschläge durch den Coach geliefert, sondern die Entwicklung eigener Lösungen wird begleitet. Coaching bezeichnet strukturierte Gespräche zwischen einem Coach und einem Coachee (Klienten) z.B. zu Fragen des beruflichen Alltags (Führung, Kommunikation und Zusammenarbeit). Die Ziele dieser Gespräche reichen von der Einschätzung und Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Perspektiven über Anregungen zur Selbstreflexion bis hin zur Überwindung von Konflikten mit Mitarbeitern, Kollegen oder Vorgesetzten. Dabei fungiert der Coach als neutraler, kritischer Gesprächspartner und verwendet je nach Ziel Methoden aus dem gesamten Spektrum der Personal- und Führungskräfteentwicklung.“

Auf Anbieterseite bemühen sich insbesondere die Coachingverbände – wir werden Ihnen gleich noch einige davon vorstellen – aktiv an der Einführung und Durchsetzung von allgemein gültigen Zertifizierungen und Qualitätsstandards für die Aus- und Weiterbildung zum bzw. als Coach. Allerdings gibt es auch verbandsübergreifend keine einheitlichen Vorgaben. Die jeweiligen Empfehlungen und Anforderungen variieren von Verband zu Verband, allerdings sind sich alle Verbände darin einig, dass es eine Mindestweiterbildung als Vorrausetzung für das Führen des Begriffs „Coach“ geben sollte.

Coachingverbände in Deutschland

Wer sind also die Verbände und Institutionen, die sich um ein einheitliches Berufsbild Coach kümmern. Im Rahmen einer Internet-Recherche haben wir eine Reihe von Coachingverbänden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) zusammengetragen:

  1. DBVC – Deutscher Bundesverband Coaching e.V
    Der DBVC – Deutscher Bundesverband Coaching e.V. bezeichnet sich selbst als „führenden Verband im deutschsprachigen Raum, der sich auf Business Coaching und Leadership fokussiert. Der DBVC wurde am 10.01.2004 gegründet. Mitglieder des DBVC sind bekannte und profilierte Coaching-Experten, die als Wegbereiter für Coaching in Deutschland gelten. Seiner führenden Rolle gemäß setzt sich der DBVC für Seriosität, Qualitätsstandards und Professionalität im Coaching-Bereich ein.“

    Ziel des Verbands ist es, die bereits eingangs angesprochene „Professionalisierung“ der Coaching-Branchen. Für die Aufnahme ist die Prüfung der formalen Eignung sowie ein persönliches Aufnahmegespräch mit zwei DBVC Mitgliedern erforderlich.

    Die Anzahl der Mitglieder wird – Stand April 2017 – mit 391 angegeben, davon sind laut Verband 363 Mitglieder nach den Verbandsrichtlinien als Coaches zertifiziert.

  2. DCG – Deutsche Coaching Gesellschaft e.V.
    Die Deutsche Coaching Gesellschaft e.V. fokussiert sich auf den Bereich Business Coaching und sieht sich seine Mission, „die Brücke zwischen dem Entwicklungsbedarf in Unternehmen und unserem professionellen, interdisziplinären Coaching-Pool“ zu schlagen. Die Struktur des Verbands besteht aus

    • Zertifizierungskommission,
    • wissenschaftlichem Beirat,
    • regionalen Arbeitsgruppen,
    • Fachgruppen und der
    • Akademie

    Allerdings hat die DCG wohl nur knapp 30 Mitglieder.

  3. DCV – Deutscher Coaching Verband e.V.
    Der Deutsche Coaching Verband e.V. (DCV) – nicht zu verwechseln mit dem oben vorgestellten Deutschen Bundesverband Coaching – wurde 2005 gegründet. Er sieht sein Ziel in der Professionalisierung des Berufsbilds “Coach”. Sein Motto lautet „Qualität von Anfang an“ weshalb sich der DCV auch besonders für Coaches in Ausbildung einsetzt. Er verfolgt dabei den Leitgedanken „Kooperation statt Konkurrenz“. Auch beim DCV kann man sich als Coach zertifizieren lassen. Außerdem bietet er auch eine Liste von Ausbildungsinstituten für Coaches an, die vom Verband zertifiziert wurden. Zur aktuellen Mitgliederzahl haben wir keine Informationen gefunden.
  4. DGfC – Deutsche Gesellschaft für Coaching e.V.
    Die DGfC – Deutsche Gesellschaft für Coaching e.V. besteht seit 2002 und versteht sich selbst als „Berufs- und Fachverband professioneller Coaches“. Die DGfC vertritt in Bezug auf die Definition von Coaching klare Grundsätze.
    Laut DGfC:

    • Ist Coaching eine professionelle, moderne, flexible und nachhaltige Form der Beratung,
    • Ist Coaching kreativ und systemisch orientiert
    • Hilft Coaching, Qualität zu sichern und zu verbessern, Probleme zu bearbeiten und Ziele zu erreichen
    • Bezieht Coaching immer die persönliche Situation der KlientInnen mit ein (Einzelperson, Team oder Gruppe)
    • Fördert und entfaltet Coaching die vorhandenen Möglichkeiten
    • Hilft Coaching, Grenzen zu erkennen, zu verändern und Alternativen zu entdecken
    • Unterstützt Coaching Reflexion, Stabilisierung und Bewältigung schwieriger Situationen
    • Reflektiert und vertieft Coaching Hintergründe im beruflichen Kontext

    Die DGfC bietet wie die anderen Verbände ebenfalls Weiterbildungen und Zertifizierungen für Coaches an.

  5. ICF International Coach Federation Deutschland e.V.
    Die Internationale Coach Federation (ICF) bezeichnet sich selbst als größte internationale Vereinigung professioneller Coaches mit weltweit fast 30.000 Mitgliedern in 130 Ländern. Der deutschen Organisation mit Sitz in Bonn haben sich nach eigenen Angaben mehr als 450 Coaches angeschlossen.

    Als Ziele des Verbands nennt die ICF auf ihrer Webseite:

    • Die Integrität des Coaching-Berufs zu stärken und zu fördern.
    • Durch Zertifizierung von Coaches mehr Transparenz für Klient/Innen und professionelle Coaches zu ermöglichen.
    • Die ethischen Standards des Berufsstands auf hohem Niveau zu prägen und weiter zu entwickeln.
    • Klientinnen und Klienten bei der Auswahl des für sie geeignetsten Coachs zu unterstützen.
    • Forum und Interessenvertretung für die weltweite Gemeinschaft der Coachs zu sein.
    • Die ICF-Mitglieder durch kollegialen Austausch, interne Weiterbildung, Pressearbeit und internationale Vernetzung bestmöglich bei ihrer Arbeit und ihrem professionellen Wachstum zu unterstützen.

Neben diesen auf den Beruf als Coach orientierten Verbänden gibt darüber hinaus Organisationen, die sich speziell der Qualitätssicherung im Coaching-Bereich widmen.

  1. Verband für Qualität im Coaching e.V.
    Dem Verband für Qualität im Coaching e.V. liegt nach eigenen Angaben das „Image von Coaching am Herzen“. Das Angebot besteht deshalb auch neben dem reinen Networking der Mitglieder auch auf den Bereichen Weiterbildung und Mentoring.

    Am Verband beteiligen sich derzeit ca. 30 Mitglieder.

  2. QRC – Qualitätsring Coaching und Beratung e.V.
    Der Qualitätsring Coaching und Beratung (QRC) besteht aus aktiven Coaches und Beratern. Ziel ist es, die „Berufsbilder in der Öffentlichkeit stärken, ein einheitliches und vergleichbares Bild durch kontinuierliche Weiterbildung und Zertifizierung unserer Qualifikationsstufen mit Transparenz nach innen und außen ermöglichen“. Im QRC engagieren sich derzeit ungefähr 100 Coaches und Beratern. Auch dieser Verband bietet ein Zertifizierungsprogramm an.

    Neben den genannten themenübergreifenden Coachingverbänden und Organisationen gibt es eine Vielzahl von themenbezogenen Vereinigungen wie zum Beispiel den Deutschen NLP Coaching Verband e.V, den Verband Ganzheitliches Führungs- und Persönlichkeits-Coaching e.V. oder die Systemische Gesellschaft.

    Coaching als Business: eine Standortbestimmung

    Neben den zahlreichen Verbänden und Organisationen, die einem sicher Hilfestellung auf dem Weg zum eigenen Coaching-Business bieten, stellt sich für jeden zukünftigen Coach natürlich die Frage, wie er sich mit seinem Angebot im bestehenden Markt etablieren möchte. Dabei muss sie oder er sich natürlich u.a. die folgenden Fragen stellen:

    • Welche Ausbildung/Kenntnisse benötige ich?
    • Wer sind meine Kunden?
    • Wer sind meine Wettbewerber?
    • Welche Formen des Coachings soll ich anbieten?

    Die Antworten auf diese Fragen sind natürlich für jeden Fall verschieden, eine Orientierung können vielleicht die nachfolgenden Ergebnisse aus der ICF Global Coaching Study 2016 aus deutscher Sicht bieten:

    • Zertifizierungen bei Coaches werden wichtiger – für Einsteiger mehr als für Coaches, die sich schon auf dem Markt behauptet haben
    • Lange und kontinuierliche, fundierte Ausbildung ist selbstverständlich
    • Für über 70% der Kunden ist eine Zertifizierung des Coaches wichtig
    • 75% der Coaches sind älter als 45 Jahre, mehr als 2/3 haben eine akademische Ausbildung
    • Über mehr als 10 Jahre Berufserfahrung verfügen 37% der Befragten – 10% mehr als im weltweiten Schnitt
    • Mehr als die Hälfte der Coaches ergänzt ihr Portfolio durch Consulting- oder Trainingsangebote
    • Die Mehrheit der Coachings dauert zwischen 1 und 2 Stunden
    • Dreiviertel der Coaching-Klienten sind in der Altersgruppe zwischen 35 und 54 – je zur Hälfte Frauen / Männer
    • Mit 84% ist Präsenzcoaching die bevorzugte Methode; für 36% der Coachs kommt Telefoncoaching in Frage
    • Über 80% der Coaches lehnen textbasierte Coaching-Methoden (SMS, Instant Messaging) ab
    • Befürworter und Gegner einer verbindlichen Regulierung in Deutschland halten sich mit ca. 35% die Waage (im internationalen Vergleich ist das Verhältnis 2:1). Falls es aber eine Regulierung geben sollte, überwiegt der Wunsch, dass sie durch die Coachingverbände erfolgen sollte
    • Als größte Herausforderung für die Branche werden die selbsternannten, unprofessionellen Coachs gesehen
    • Die größte Chance liegt darin, den Nutzen von Coaching noch bewusster zu machen

    Beruf(ung) Coach – einige Beispiele

    Wie also wird man zum Coach? Zum Abschluss dieser Einführung haben wir Ihnen einige Beispiele aus den COACH REPORTER-Interviews zusammengetragen. Die Coaches beantworten im Gespräch ja unter anderem die Frage, wie sie auf die Idee kamen, als Coach zu arbeiten, bzw. ob es einen speziellen Anlass dafür gab.

    Bei Frau Hüsgen gab es beispielsweise einen konkreten Anlass, einen Hinweis aus dem Bekanntenkreis, bei Frau Bartholomé war es dagegen ein mehrjähriger Prozess. Herr Posé entschied sich ganz bewusst, neben Training auch Coaching anzubieten.

    Herr Knudsen, Herr Wiethoff, Frau Bayartz und Herr Reklau nahmen eigene Erfahrungen zum Anlass, diese Erfahrungen auch an andere weiterzugeben.
    Und bei Herrn Rochel und Frau Maindl stand eigentlich schon sehr früh fest, dass sie später auch einmal anderen Menschen helfen bzw. ihren etwas beibringen möchten.

    Unabhängig davon, aus welchen Beweggründen Sie als Coach tätig werden möchten, wünschen wir Ihnen auf Ihrem Weg zum eigenen Coaching-Business viel Erfolg.

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